In der Hafenkneipe.
Am Stammtisch des "Sailors Inn" saß ein neuer Mann, der sich diesen Platz durch den Erwerb eines Liegeplatzes im benachbarten Yachtclub quasi erkauft hatte. Der Neue, ein ziehmlich junger Mensch,
prahlte nach Strich und Faden. Skipper Piet Jansen paßte dies
gar nicht. Er hatte ihn schon lange auf'n Kicker.
Eines Tages erzählte der Neue folgendes Erlebnis:
"Also denken Sie sich, meine Herren, was mir vor zwei
Jahren passiert ist. Fahre ich da mit meiner Yacht von Cuxhaven nach Helgoland. Wie wir nun an der Alten Liebe vor-
beifahren, da sehen wir doch, daß eine ganze Menge Schwim-
mer vom Badestrand ganz nahe ans Schiff kommen.
Nun
war einer dabei, der schwamm immer querab. Na, die Yacht
lief noch mit langsamer Fahrt unter Motor und wir denken, wenn wir
erst draußen bei der zur Zeit herrschenden steifen Brise die Segel gesetzt haben, dann wird er wohl achteraus sacken.
Inzwischen hat der Smutje zum Dinner gerufen, und bis auf den Rudergänger gehen alle unter Deck zum Labskaus fassen. Wie wir nach 'ner guten halben Stunde wieder nach oben kommen, da sehen wir doch
- wir trauen unseren Augen nicht - also so wahr ich hier
sitze: der Kerl schwimmt doch immer noch querab.
Wir
machten ja nun so bei kleinem 7-8 Knoten, aber er kraulte immer willig mit. Manchmal kam er prustend hoch und winkte.
Schien gar nicht besonders angestrengt zu sein. Der Skipper
meinte, wenn wir erst draußen sind und Seegang kriegen,
wird er ja woll nicht mehr mitkommen. Hat sich was! Er schwimmt er immer willig Steuerbord querab!
Und was glauben Sie, meine Herren, den ganzen Törn
war er hundert Meter querab zu sehen. Manchmal legte er
sich auf'n Rücken und nahm einen Schluck aus der Pulle, die
er mit hatte, aber dann holte er immer gleich wieder auf!
Wie mir nun in Cuxhaven festmachen, da steigt doch der
Kerl an Land und ab in die nächste Kneipe. Weg war er!"
Skipper Piet Jansen hat ruhig zugehört, dann nimmt er seine
Pip aus 'n Mund, steht auf und drückt dem Erzähler stumm
und ergriffen die Hand. Wie bei 'ner Beerdigung.
"Junger Mann", sagt er, "ich danke Ihnen, ick dank ook von
ganzen Harten! Ick bün nämlich de Swimmer ween! Ick
wull die Passage sparen. Ick hev't all oft vertellt, dat hätt
mi blot keener gleuvt. Nu hev ick endlich eenen inwandfrigen Tügen, de't sülben sehn hätt! Ick dank ook
scheun, min Jung!"
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